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Fehlern begegnen

Wie eigentlich würde es uns selbst, unseren Kindern und allen Menschen ergehen, wenn wir  immer öfter mal mit freundlicher Anteilnahme fragen würden: „Was hast du schon mal falsch gemacht – und was ist denn eigentlich daraus geworden?“ Was wäre, wenn wir Fehlerhaftigkeit in unser nicht urteilendes Gewahrsein einschließen könnten – und wenn wir über die Fehler, die uns passieren, mit einem Menschen sprechen könnten der nicht urteilt, kein Ziel mit uns hat und auch keine Angst, das anzuhören, was ausgesprochen werden will? Der also einfach da ist, aufmerksam und freundlich, und der sanft nachfragt, wenn dies gebraucht wird?

Sich nicht einmischen

Schon lange begleitet mich ein Text der italienischen Kinderärztin und Pädagogin Maria Montessori über die Kunst, sich nicht einzumischen. Sie beschreibt darin die beständigen Impulse der Erwachsenen, sich in das Tun von Kindern einzumischen mit dem Ziel, Dinge zu verbessern, dem Kind zu helfen oder es zu verändern. Und regt dazu an, immer dann wenn wir einen solchen Impuls spüren, eine Perlenkette zu nehmen und eine Perle zu schieben – bis wir zu einem Gefühl der Ruhe und Stille kommen, das uns innerlich verändert. Dieses einfach da sein ohne ein Ziel zu verfolgen ist nicht leicht. Im Zusammensein mit Kindern habe ich oft erlebt, dass sich Eltern und Pädagogen zwar äußerlich still verhalten und sich weniger einmischen – innerlich aber mit der Vorstellung verbunden sind, dass Kinder auf diese Weise eigenständig lernen und forschen, selbstständig werden oder „besser lernen“ – und gar nicht bemerken, dass sich die Katze gerade in den Schwanz beißt und sie sich von der Haltung  sich „nicht einzumischen“ weit entfernt haben. Andererseits darf dieses „sich nicht einmischen“ nichts damit verwechselt werden, …

Vom Anfangen und Aufhören

In meinem Blogbeitrag  „Der Erschöpfung begegnen“ habe ich darüber geschrieben, wie wohltuend es sein kann, immer mal wieder aus dem Modus von „planen und machen“ auszusteigen und sich statt dessen von innen heraus leiten zu lassen  – und das zu tun, was zu tun ansteht, Schritt für Schritt und im eigenen Tempo. Heute lade ich Euch ein, einmal einen Tag lang ganz bewusst mit Tätigkeiten anzufangen –  und sie dann auch ganz bewusst wieder abzuschließen. Wie fühlt es sich an, anzufangen? Welche Gedanken und Impulse sind da, bevor ich anfange? Welche inneren Stimmen höre ich dabei? Wie fühle ich mich, wenn ich eine Arbeit abgeschlossen habe? Welche Gedanken und inneren Stimmen sind dann da?

Lieblingsstücke

Es gibt Schwierigkeiten die daraus entstehen, dass Menschen zu wenig zum Leben haben. Und es gibt Schwierigkeiten die daraus entstehen, dass Menschen zu viel haben. Unser Gefühl zu wenig zu haben und mehr besitzen zu müssen, wird in unserer konsumorientieren Gesellschaft stetig wie ein großes Schwungrad am Laufen gehalten. Kaum ist ein Wunsch befriedigt, kommt ein neuer auf. Immer früher werden auch unsere Kinder wie durch einen unsichtbaren Sog in den Bann des „haben müssens“ hineingezogen.

Ärger, Wut und Traurigkeit

Eltern zu sein bringt uns in Kontakt mit starken Gefühlen – unseren eigenen und denen unserer Kinder. Einerseits empfinden wir für unser Kind eine Zärtlichkeit, die ganz anders ist als alles,  was wir zuvor gefühlt haben. Viele Eltern schildern, dass sie sich weicher und durchlässiger fühlen und Momente großer Freude aber auch Ärger, Angst und Gefühle von Einsamkeit intensiver erleben. In einer Kultur in der Menschen von klein auf lernen, Gefühlen zu misstrauen oder sich für Trauer und Ärger schuldig zu fühlen, kann uns der Kontakt mit den eigenen starken Gefühlen und denen unserer Kinder ziemlich herausfordern.

Mit Kindern innehalten

Im Alltag stehen Eltern oft unter zeitlichem Druck. Wir haben ein Ziel vor Augen, zum Beispiel das Kind anzuziehen weil wir noch einkaufen wollen. Es soll schnell gehen mit der Jacke, den Schuhen, der Mütze. Das Kind unterm Arm geht es zum Auto, das Kind will sich nicht anschnallen lassen und wehrt sich. Es gibt Geschrei und innere Aufruhr und unsere Gedanken und Bewegungen werden spitz und sind manchmal nicht mehr gewaltfrei. Und weil viele Eltern diese Erfahrungen machen scheint es, als würden solche Situationen unweigerlich zum Leben mit Kindern dazu gehören. Wir kennen es ja nicht anders. Wir glauben, dass wir Zeit gewinnen wenn wir schneller werden und Druck ausüben.

Weniger urteilen

Im Leben mit Kindern sind wir Eltern oft sehr gefordert, schnell zu urteilen und spontan zu handeln. Wenn ein kleines Kind auf eine Treppe oder auf die befahrene Straße zuläuft, bleibt wenig Zeit für achtsame Wahrnehmung. Vielmehr ist es wichtig, dass wir Gefahren schnell erkennen und reagieren. In vielen anderen Situationen aber ist unser Drang nach schnellen Urteilen wenig hilfreich – er ist sogar schädlich, verschießt Möglichkeiten und verhindert den Blick aufs Ganze – auf unser Kind, eine Situation, andere Menschen, uns selbst.  Achtsamkeit erzählt von einem weiten Feld, in dem wir mit unseren Kindern sein dürfen, ohne bewertet und verurteilt zu werden, ohne uns selbst zu bewerten oder zu verurteilen und ohne unsere Kinder zu bewerten oder zu verurteilen. Dies ist, als würde man die Welt so wie sie im Moment ist, auf den Kopf stellen.

Auch das geht vorbei….

Es gibt diese Tage im Leben mit Kindern, da ist alles gut. Wir fühlen uns offen und verbunden, die Kinder spielen friedlich und unsere Aufgaben erledigen sich mit Leichtigkeit. Wir begegnen Missgeschicken mit Humor, und überhaupt scheint die Sonne und die Welt erstrahlt in Himmelblau. Und es gibt diese Tage und Nächte, die nicht so sind….

In Bewegung sein

Zu den schönsten Momente im Leben mit kleinen Kinder gehören sicher die, in dem sie Laufen lernen. In diesen Zeiten machen nicht nur die Kinder ihre ersten Schritte, wir haben auch kleine Lehrmeister vor uns, von denen wir uns einiges über „Schritte machen“ abschauen können. Laufen zu lernen ist bei Kindern, wenn es im eigenen Tempo und aus eigener Kraft geschieht,  ein ganz fließender Prozess. Sie machen ein paar Schritte, sie fallen, sie stehen wieder auf, sie kehren zum Laufen zurück. Ein innerer Plan, ein Wunsch, ein Antrieb bringt sie dazu, sich immer und immer wieder aufzurichten und die nächsten Schritte zu unternehmen. Es gibt bei ihnen – soweit ich das beobachten kann – kein Urteil über Scheitern und Vorwärtskommen. Es gibt keine inneren Dramen (andere sind schuld daran, dass ich gefallen bin/ ich bin schon so oft gefallen und werde es nie schaffen / ich muss es schaffen um gut genug zu sein), kein Festhalten und keinen Stillstand. Alles fließt.